Arbeitsrecht: Versteckte Klauseln im Arbeitszeugnis

Anwalt Arbeitsrecht über Klauseln im ArbeitszeugnisAchten Sie auf versteckte abwertende Beurteilungen. Die müssen Sie sich nämlich nicht gefallen lassen.

Abwertende Urteile sind gar nicht so selten.

Was vielen Arbeitnehmern nicht bewusst ist: Obwohl Arbeitszeugnisse nicht nur wahrheitsgemäß, sondern auch wohlwollend formuliert sein müssen, gibt es nicht wenige Arbeitgeber, die versuchen, per Sprach-Code ihre ehemaligen Arbeitnehmer abwertend zu beurteilen. So ist der „gesellige Mitarbeiter, der sich für die Interessen seiner Kollegen einsetzte“ nichts anderes als ein Gewerkschaftsmitglied, das eine Vorliebe für Plaudereien und alkoholische Getränke an den Tag gelegt hat!

Nach einem Urteil des Arbeitsgerichts Herford vom 01.04.2009, Az.: 2 Ca 1502/08, bringt der Hinweis „gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber… hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der geleisteten Arbeit zur Verfügung“ verschlüsselt zum Ausdruck, dass die im Zeugnis wiedergegebene Leistungsbeurteilung nicht den wirklichen Leistungen entspricht.

Schlusszeugnis und Zwischenzeugnis zu vergleichen lohnt sich.

Häufig stellen wir im Rahmen unserer arbeitsrechtlichen Beratung auch fest, dass Schlusszeugnisse plötzlich deutlich schlechtere Bewertungen enthalten als ein kurz zuvor ausgestelltes Zwischenzeugnis. Für einen derartigen Fall hat das LAG Köln bereits im Jahr 1997 (Az.: 11 Sa 235/97) entschieden, dass ein Arbeitgeber verurteilt werden kann, im Schlusszeugnis die Formulierungen des Zwischenzeugnisses zu übernehmen, wenn seine Änderungsvorstellungen bei gleicher Beurteilungsgrundlage Abweichungen in der Bewertung darstellen.

Deshalb: Augen auf beim Arbeitszeugnis!
Rechtsanwältin Johanna Steinle
Anwältin für Arbeitsrecht

 

Weitere Blog-Beiträge zum Arbeitsrecht

Hier geht’s zu unseren Themenseiten Arbeitsrecht

Aktuelles in diesem Monat zum Arbeitsrecht

 

Kommentare sind nicht möglich
Letzte Blog-Beiträge

Anwalt Mietrecht: Mieter sein in Zeiten der Corona-Pandemie

Das geplante Corona-Paket der Bundesregierung würde grundlegend das Rechtsverhältnis zwischen Mietern und Vermietern verändern. Handlungsbedarf für Mieter ...

weiterlesen

Corona und Arbeitsrecht – Die praktischen Tücken beim Kurzarbeitergeld

Die arbeitsrechtlichen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung sind zwar hilfreich. Aber besonders für Arbeitnehmer bleibt der Weg zum Kurzarbeitergeld ...

weiterlesen

Bares und Wahres - Arbeitsrecht und Schadensersatz rund um die Corona-Pandemie

Das Corona-Virus namens SARS-COV-2 beschert uns derzeit Schlagzeilen und Gesprächsstoff. Hier ein kurzer Überblick über Erstattungsansprüche und ...

weiterlesen

Neues Jahr – Neue Unterhaltsansprüche

Das Jahr 2020 bringt nicht nicht nur eine Steigerung der Unterhaltssätze und eine Anpassung des Mindestunterhalts. Auch ...

weiterlesen

Wenn der Notar falsch beraten hat…

…dann ist noch nicht aller Tage Abend: Denn unter Umständen wie diesen kann eine Fehlentscheidung korrigiert werden, ...

weiterlesen

Erben aufgepasst: Urlaub ist ein Vermögenswert!

Das Bundesurlaubsgesetz muss neu ausgelegt werden: Erben haben unter Umständen einen Anspruch auf Abgeltung des vom Erblasser ...

weiterlesen

VW-Abgasskandal: Ansprüche Ende 2019 doch noch nicht verjährt?

Ein aktuelles Urteil sät Zweifel, ob schon zum 31.12.2019 Schadensersatzansprüche aus dem Abgasskandal verjähren oder nicht erst ...

weiterlesen